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Es lebe die Langeweile!

Vielleicht ging es Ihnen in diesem Sommer so wie mir.

In der Ferienzeit war es ruhig in der Praxis und es war heiß.

Ich habe den Aspekt Mobilisieren von meinem MoWeLa- Konzept in den Hintergrund gestellt, stattdessen die Wertschätzung für das schöne, heiße Wetter genossen, indem ich nur das Nötigste erledigt habe.

Wenn ich keine Termine hatte, habe ich einfach in den Tag gelebt, habe meine Gedanken schweifen lassen oder Lachen und Freude an und in der Ahr genossen.

Doch manchmal habe ich mich schlichtweg nur gelangweilt.

Ich war zu träge um mich aufzuraffen etwas zu tun und wusste nicht was ich machen soll.

Und siehe da, beim scheinbaren Nichtstun und Langweilen, stellten sich kreative Gedanken und neue Sichtweisen ein.

Also habe ich mich doch mobilisiert, nicht körperlich sondern geistig.

 

Langeweile, Nichtstun, den Gedanken nachhängen sind nämlich ein Segen für Geist und Gehirn.

 

Man könnte meinen, das Gehirn wäre weniger aktiv, wenn man sich langweilt.

Nein, die Aktivität verschiebt sich. Die Gedanken beginnen zu wandern, ein Netzwerk von Hirnarealen wird aktiv das auch als Tagträumer-Gehirn bezeichnet wird. Denken unabhängig von äußeren Reizen wird möglich.

Es können neue Ideen und Gedanken entstehen.

 

Forschungen haben gezeigt, dass Probanden die gezielt gelangweilt wurden, nachher bessere Leistungen bei der Lösung von Aufgaben erbracht haben.

 

Langeweile und Müßiggang sind also gut für uns, auch wenn wir immer noch im Kopf haben das sei aller Laster Anfang.  Vielleicht ist es eher Anfang aller Kreativität.

Erfindungen sind in Phasen der Langeweile entstanden. Newton soll seine Erkenntnisse zur Erdanziehungskraft beim Dösen unter einem Apfelbaum bekommen haben. Einstein hatte eine langweilige Tätigkeit im Patentamt.

 

Langeweile kann uns auch warnen, unsere Selbstwahrnehmung schulen und motivieren Veränderungen einzuleiten.

"Ohne Langeweile würde man in unbefriedigenden Situationen verharren. Sie ist eine Warnung, dass wir nicht das tun, was wir tun wollen – und damit zugleich ein Antrieb." sagt Professor Andreas Elpidorou von der Universität Louisville.

Weil unser Geist die Langeweile nicht mag und als negatives Gefühl empfindet, suchen wir nach Alternativen, im besten Fall durch kreative, neue Lösungen.

 

Leider gönnen wir uns heute kaum noch Langeweile, wir kennen das gar nicht mehr.

Dank Smartphone können wir uns immer beschäftigen, immer etwas gucken, hören, lesen, spielen.

Im Fernsehen kommt nichts? Unvorstellbar bei den unzähligen Kanälen und Streamingangeboten.

Kinder wissen nicht was sie spielen sollen? Eher ist es so das sie ein so vor lauter Programm und Terminen gar nicht wissen wann sie überhaupt mal spielen können.  Dabei wäre gelegentliche Langeweile gerade für Kinder besonders gut

 

Wir könnten Langeweile wieder lernen.

Vielleicht mal ohne Smartphone nach der Arbeit auf den Zug warten. Löcher in den Bahnsteig gucken und einfach wahrnehmen wie langsam die Zeit vergehen kann, während sie sonst verfliegt.

Oder eben auch ohne Sommerhitze einfach mal in den Tag leben, ohne Programm und Plan und die Gedanken schweifen lassen.

Nicht jede Minute verplanen.  Ab und zu ruhig zulassen, wenn man gar nichts mit sich anfangen kann.

Die aufkommende Langweile aushalten, vielleicht sogar ein wenig genießen, statt sie im Keim zu ersticken.

Es gibt sogar extra langweilige Filme, die man sich anschauen kann, in denen nichts passiert.

 

Doch man sollte jetzt nicht meinen Langeweile sei immer gut.

Wie alles hat auch sie mehrere Facetten.

Zuviel Langeweile und ständige Unterforderung kann ebenso zu Depressionen und Krankheit führen wie ständige Überlastung.

Wie den Burn Out, gibt es auch den Bore Out.  Beides ist gleichermaßen schlecht..

 

Es geht also darum, eine gute Balance zu finden.

Abwechslung von Ruhe und Aktivität, Langeweile und Herausforderung.